Unterhaltsreinigung im Gesundheitswesen: Hygiene-Standards
Warum Unterhaltsreinigung im Gesundheitswesen besonders anspruchsvoll ist
Die Unterhaltsreinigung in medizinischen Einrichtungen unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Büroreinigung. Während in Bürogebäuden primär ästhetische Aspekte und allgemeine Sauberkeit im Vordergrund stehen, geht es in Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen buchstäblich um Leben und Gesundheit.
Nosokomiale Infektionen – also Infektionen, die im Zusammenhang mit medizinischer Behandlung entstehen – betreffen laut Robert Koch-Institut jährlich etwa 400.000 bis 600.000 Patienten in Deutschland. Ein erheblicher Teil dieser Infektionen ließe sich durch konsequente Reinigungsmaßnahmen vermeiden.
Die besonderen Herausforderungen im Überblick
- Multiresistente Erreger: MRSA, VRE und andere problematische Keime erfordern spezielle Desinfektionsverfahren
- Immungeschwächte Patienten: Menschen mit reduzierter Abwehr sind besonders anfällig für Infektionen
- Hohe Personenfrequenz: Täglich wechselnde Patienten, Besucher und Personal erhöhen das Kontaminationsrisiko
- Medizinische Geräte: Empfindliche Apparaturen erfordern schonende, aber gründliche Reinigung
- Strenge Dokumentationspflichten: Jeder Reinigungsvorgang muss nachvollziehbar protokolliert werden
Rechtliche Grundlagen und Hygienevorschriften
Die Unterhaltsreinigung im Gesundheitswesen unterliegt einem dichten Netz aus Vorschriften und Empfehlungen. Wer hier als Reinigungsdienstleister tätig wird, muss diese Regelwerke kennen und umsetzen.
Das Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Das IfSG bildet die rechtliche Basis für alle Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen. Es verpflichtet Betreiber von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen zur Erstellung eines Hygieneplans, der auch die Reinigung detailliert regelt.
KRINKO-Empfehlungen
Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut gibt wissenschaftlich fundierte Empfehlungen heraus. Diese sind zwar rechtlich nicht bindend, gelten aber als medizinischer Standard und werden von Gerichten als Maßstab herangezogen.
Wichtige Normen und Richtlinien
- DIN EN ISO 14001: Umweltmanagementsysteme
- DGUV Vorschrift 1: Arbeitsschutzvorschriften für Reinigungspersonal
- Medizinprodukte-Betreiberverordnung: Regelungen zur Aufbereitung von Medizinprodukten
- Biostoffverordnung: Schutz der Beschäftigten vor biologischen Arbeitsstoffen
Risikobereiche und Reinigungsklassen
Nicht alle Bereiche einer medizinischen Einrichtung haben das gleiche Hygienerisiko. Die Einteilung in Risikobereiche bestimmt die Reinigungsfrequenz, die verwendeten Mittel und die erforderliche Schutzausrüstung.
Bereiche mit geringem Infektionsrisiko
Dazu gehören Verwaltungsbüros, Flure in Ambulanzbereichen, Wartezimmer ohne direkte Patientenversorgung und Sozialräume. Hier genügt eine gründliche Standard-Unterhaltsreinigung mit regelmäßiger Desinfektion der Handkontaktflächen.
Bereiche mit mittlerem Infektionsrisiko
Untersuchungsräume, Patientenzimmer auf Normalstationen, Pflegebereiche und Therapieräume fallen in diese Kategorie. Die Reinigung erfolgt täglich, kritische Flächen werden desinfizierend gereinigt.
Bereiche mit hohem Infektionsrisiko
Intensivstationen, Operationssäle, Isolierzimmer, Dialysebereiche und Sterilgutlager erfordern höchste Hygienestandards. Hier kommen ausschließlich geschulte Fachkräfte zum Einsatz, die Reinigung erfolgt mehrfach täglich nach strengen Protokollen.
Praktische Checkliste: Unterhaltsreinigung in der Arztpraxis
Eine strukturierte Vorgehensweise ist der Schlüssel zur erfolgreichen Hygiene. Die folgende Checkliste gibt Orientierung für den Praxisalltag:
Tägliche Reinigungsaufgaben
- Fußböden feucht wischen (Zwei-Eimer-System oder vorbefeuchtete Tücher)
- Handkontaktflächen desinfizierend reinigen: Türklinken, Lichtschalter, Handläufe
- Sanitärräume vollständig reinigen und desinfizieren
- Abfallbehälter entleeren und bei Bedarf reinigen
- Untersuchungsliegen nach jedem Patienten desinfizieren
- Wartebereiche reinigen, besonders Stuhllehnen und Armlehnen
Wöchentliche Reinigungsaufgaben
- Gründliche Reinigung aller Oberflächen einschließlich Regale und Schränke
- Fenster und Glasflächen im Innenbereich
- Heizkörper und Lüftungsgitter absaugen
- Medizinschränke außen reinigen
- Kühlschränke auf Verschmutzungen prüfen
Monatliche und quartalsweise Aufgaben
- Tiefenreinigung der Fußböden mit Pflegefilm-Erneuerung
- Gardinen und Vorhänge waschen oder wechseln
- Komplette Grundreinigung aller Bereiche
- Überprüfung und Austausch von Spendern und Automaten
Die richtige Technik: Reinigung versus Desinfektion
Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Reinigung und Desinfektion. Beide Verfahren haben unterschiedliche Ziele und müssen korrekt durchgeführt werden.
Was ist Reinigung?
Reinigung bezeichnet das Entfernen von sichtbarem Schmutz, organischen Materialien und Mikroorganismen durch mechanische und chemische Verfahren. Sie reduziert die Keimbelastung um 50 bis 80 Prozent und schafft die Grundlage für eine wirksame Desinfektion.
Was ist Desinfektion?
Desinfektion tötet oder inaktiviert Krankheitserreger durch chemische oder physikalische Verfahren. Sie reduziert die Keimzahl um mindestens 99,999 Prozent (log 5) und ist nur auf gereinigten Flächen wirksam.
Der korrekte Ablauf
- Grobe Reinigung: Sichtbare Verschmutzungen entfernen
- Feinreinigung: Mit geeignetem Reinigungsmittel gründlich säubern
- Trocknung: Oberfläche vollständig trocknen lassen
- Desinfektion: Desinfektionsmittel auftragen und Einwirkzeit beachten
- Nachbereitung: Je nach Mittel nachtrocknen oder abspülen
Auswahl der richtigen Desinfektionsmittel
Die Wahl des Desinfektionsmittels richtet sich nach dem Wirkungsspektrum, dem Anwendungsbereich und der Materialverträglichkeit.
Wirkungsspektren verstehen
- Bakterizid: Wirksam gegen vegetative Bakterien (Grundanforderung)
- Fungizid: Wirksam gegen Pilze und Hefen
- Begrenzt viruzid: Wirksam gegen behüllte Viren (Influenza, Corona, HIV)
- Viruzid: Wirksam gegen alle Viren einschließlich unbehüllter (Norovirus, Hepatitis A)
- Sporozid: Wirksam gegen bakterielle Sporen (Clostridioides difficile)
VAH-Listung als Qualitätsmerkmal
Der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) veröffentlicht eine Liste geprüfter Desinfektionsmittel. Nur Produkte mit VAH-Zertifizierung bieten die Gewähr für eine zuverlässige Wirksamkeit unter Praxisbedingungen.
Schulung und Qualifikation des Reinigungspersonals
Die beste Technik nützt nichts ohne qualifiziertes Personal. Im Gesundheitswesen sind spezielle Schulungen für das Reinigungsteam unerlässlich.
Pflichtinhalte der Schulung
- Grundlagen der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
- Korrekter Umgang mit Desinfektionsmitteln und deren Gefahren
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und deren Einsatz
- Reinigungstechniken für verschiedene Risikobereiche
- Verhalten bei Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten
- Dokumentationspflichten und Qualitätssicherung
- Händehygiene nach den 5 Momenten der WHO
Regelmäßige Auffrischung
Die Erstschulung genügt nicht. Mindestens jährliche Auffrischungen sind notwendig, um neue Erkenntnisse zu vermitteln und routinebedingte Nachlässigkeit zu vermeiden. Viele Einrichtungen setzen auf vierteljährliche Kurzschulungen.
Kostenplanung: Was kostet professionelle Unterhaltsreinigung im Gesundheitswesen?
Die Kosten für die Unterhaltsreinigung in medizinischen Einrichtungen liegen deutlich über denen für normale Gewerbereinigung. Die höheren Anforderungen rechtfertigen jedoch den Mehraufwand.
Preisfaktoren im Überblick
- Risikoklasse: Hochrisikobereiche kosten 30-50% mehr als Standardbereiche
- Reinigungsfrequenz: Tägliche bis mehrfach tägliche Reinigung schlägt sich nieder
- Desinfektionsmittel: Zertifizierte Produkte sind teurer als Standardreiniger
- Personalqualifikation: Geschultes Fachpersonal hat höhere Stundensätze
- Dokumentation: Der administrative Aufwand ist erheblich
Typische Preisspannen
Für eine durchschnittliche Arztpraxis mit 150 Quadratmetern ist bei täglicher Unterhaltsreinigung mit monatlichen Kosten zwischen 800 und 1.500 Euro zu rechnen. Kliniken zahlen für die Quadratmeterreinigung zwischen 3,50 und 7,00 Euro – je nach Anforderungsprofil.
Ein detaillierter Überblick über Unterhaltsreinigung Kosten und Preise hilft bei der Budgetplanung.
Qualitätskontrolle und Monitoring
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – diese Maxime gilt besonders im Gesundheitswesen. Systematische Qualitätskontrollen gehören zum Standard.
Visuelle Inspektion
Die einfachste Form der Kontrolle ist die regelmäßige Sichtprüfung durch Hygienefachpersonal. Standardisierte Checklisten ermöglichen eine objektive Bewertung.
Fluoreszenzmarkierungen
UV-aktive Marker werden vor der Reinigung auf definierte Stellen aufgebracht. Nach der Reinigung zeigt die UV-Lampe, ob diese Flächen tatsächlich gewischt wurden.
ATP-Messung
Die Messung von Adenosintriphosphat (ATP) mit Biolumineszenz-Verfahren gibt Aufschluss über die verbleibende organische Belastung auf Oberflächen. Werte unter 100 relativen Lichteinheiten (RLU) gelten als akzeptabel.
Mikrobiologische Abklatschuntersuchungen
Bei konkretem Verdacht oder stichprobenartig werden Abklatschproben von Oberflächen genommen und im Labor auf Keimbelastung untersucht.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Aus der Praxis lassen sich typische Fehlerquellen identifizieren, die die Hygiene gefährden:
Fehler bei der Reinigung
- Zu kurze Einwirkzeit: Desinfektionsmittel benötigen Zeit zum Wirken – immer Herstellerangaben beachten
- Falsche Dosierung: Zu wenig Mittel ist unwirksam, zu viel schädigt Oberflächen und belastet die Atemluft
- Kontaminierte Reinigungsutensilien: Wischmopps und Tücher müssen nach jedem Raum gewechselt werden
- Rückwärtiges Arbeiten: Immer vom sauberen zum schmutzigen Bereich arbeiten
- Auslassen von Flächen: Besonders Unterseiten von Tischen und Gerätewagen werden oft vergessen
Organisatorische Fehler
- Mangelnde Dokumentation: Ohne Nachweis ist keine Nachvollziehbarkeit gegeben
- Unklare Zuständigkeiten: Wer reinigt was? Schriftliche Festlegung ist Pflicht
- Fehlende Schulung: Ungeschultes Personal gefährdet Patienten und sich selbst
- Preisdumping: Billiganbieter sparen an Personal und Qualität
Den richtigen Reinigungsdienstleister finden
Die Auswahl des Reinigungspartners will sorgfältig getroffen werden. Folgende Kriterien sollten Sie prüfen:
Qualifikationsnachweise
- Erfahrung mit medizinischen Einrichtungen (Referenzen einholen)
- Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement)
- Nachweis regelmäßiger Mitarbeiterschulungen
- Kenntnis relevanter Hygienevorschriften
Vertragliche Aspekte
- Detaillierte Leistungsbeschreibung mit Reinigungsfrequenzen
- Festgelegte Qualitätsstandards und Kontrollmechanismen
- Regelung der Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner
- Vereinbarung zu Notfalleinsätzen und Sonderreinigungen
- Transparente Preisgestaltung ohne versteckte Kosten
Fazit: Professionelle Unterhaltsreinigung schützt Leben
Die Unterhaltsreinigung im Gesundheitswesen ist kein notwendiges Übel, sondern ein aktiver Beitrag zur Patientensicherheit. Wer die Anforderungen kennt, qualifiziertes Personal einsetzt und konsequent auf Qualität achtet, minimiert das Infektionsrisiko erheblich.
Für Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen lohnt sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Reinigungsunternehmen, die nachweislich Erfahrung im Gesundheitswesen haben. Die höheren Kosten im Vergleich zur Standardreinigung sind eine Investition in Sicherheit und Vertrauen.
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